Historisches zum Annafest

Ursprung unseres Heimatfestes ist eine einstmals in Unlingen bestehende Gebetsgemeinschaft, deren Anliegen die Verehrung der Hl. Anna war. Über diese St. Anna Bruderschaft berichtet Pfarrer Theodor Selig:

"Viel trug einstens zur Hebung des Gottesdienstes und Förderung der Andacht die St. Anna-Bruderschaft in Unlingen bei. Verhältnismäßig spät ist sie entstanden. Pfarrer Muscart hat sie im Jahr 1711 gegründet, und Papst Klemens XI. verlieh den Mitgliedern besondere Ablässe. Der Pfarrer gab ein Bruderschaftsbüchlein heraus, worin die Statuten und Gebete verzeichnet sind. Es ist dieses Büchlein mit einem farbigen Titelbild anno 1712 als ältestes bekanntes Druckerzeugnis der Ulrich'schen Buchdruckerei in Riedlingen erschienen. ... Anno 1713 wurde eine eigene Bruderschaftsglocke gegossen. Auch wurde ein Bruderschaftszeichen hergestellt, eine Medaille mit dem Bild der Mutter Anna und Mutter Gottes, als Patronin der Pfarrkirche. Die Bruderschaft gelangte auch in den Besitz einer getreuen Nachbildung der Hand der hl. Mutter Anna in Wien; die betr. Tafel hängt heute noch in der Klosterkapelle und trägt auf der Rückseite die Bemerkung, dass die Nachbildung an der wahren Hand berührt wurde. Die Bruderschaft, zu der verschiedene Stiftungen gemacht wurden, hatte eine Reihe neuer Feste zur Folge, und jeden 4.Sonntag des Monats fand nachmittags eine feierliche Andacht mit Prozession statt. Später wurden Bruderschaftszettel, kleinere und große, den neu Aufgenommenen eingehändigt. Viele Auswärtige aus umliegenden Ortschaften ließen sich in das Bruderschaftsbuch eintragen. Ein besonderer Bruderschaftspfleger verwaltete das Vermögen. Mit der Feier des Titularfestes wurden weltliche Vergnügungen verbunden, die sich länger erhielten als die Bruderschaft selbst. Durch eine Verordnung Kaiser Josephs II. wurde das Vermögen der Bruderschaft anno 1784 eingezogen, über 400 fl., und mit dem bussischen Schulfonds vereinigt. Die großen Festlichkeiten hörten in der nächsten Zeit auf. Die Bruderschaft kam fast ganz in Verfall, lebte aber in den 90er Jahren wieder auf. Auch dann, als das eingezogene Vermögen anno 1813 an die Heiligenpflege zurückbezahlt wurde, erlangte sie ihren früheren Glanz nicht mehr. Sie führte ein kümmerliches Dasein, und anno 1832 hieß es: Es gibt in Unlingen keine Bruderschaft mehr. Das Staatskirchentum und die Aufklärung haben sie verschlungen. Wohl wachte sie auf kurze Zeit wieder auf (1837 ) und bestand noch bedeutungslos anno 1844, dann aber sank sie ins Grab, um nicht mehr aufzuerstehen. Eine alte Bruderschaftsfahne und Stäbe, die am Fronleichnamsfest noch lange mitgetragen wurden, erinnerten an die einstige alte Bruderschafts-herrlichkeit."

Die Bruderschaft "sank ins Grab", geblieben ist jedoch das Annafest.

Aus der Chronik des Vereins geht hervor, dass die Kapelle seit Beginn ihrer Wiedergründung im Jahre 1949 am Annafest musikalisch in Aktion trat. In den ersten Jahren gab sie schlicht ein Platzkonzert bei der Dorflinde am Hirschplatz. Diese Platzkonzerte sind belegt bis zum Jahre 1963. Zusätzlich zu diesem Platzkonzert, das meist nachmittags stattfand, spielte die Musikkapelle abends zum "Anna-Tanz" im Gasthaus "Zum Hirsch" auf und eine zweite Kapelle, die so genannte Jazzkapelle, im Gasthaus "Zum Petrus".

Im Jahre 1964 wurde das Annafest erstmals mit einem Festzelt durchgeführt. Der Festplatz wechselte verschiedentlich, und seit 1978 steht das Zelt auf seinem heutigen Platz, dem Festgelände der Gemeinde Unlingen. Mit dem ersten Festzelt im Jahre 1964 dehnte sich das Fest von einem sonntäglichen Fest zu einem zweitägigen Fest (Sa./So.) aus. Seit dem Kreismusikfest 1969, kam der Montag mit Kindernachmittag und Festausklang als feste Größe hinzu; seit dieser Zeit wird das Annafest als dreitägiges Zeltfest gefeiert.

Ein besonders Flair bietet dass Unlinger Annafest auch aufgrund der Zeltausschmückung.  Seit dem Kreismusikfest im Jahre 1980 schmückt ein Bild mit der prägnanten Ansicht von Kirche und ehemaligem Rathaus die Bühne. Eine ansprechende Thekenverkleidung aus Holz sowie kleine Birkenbäume und Festwimpel in den Gemeindefarben rot-weiß verleihen dem Zelt eine angenehme Atmosphäre, die in der Raumschaft unübertroffen ist. Eine Bereicherung des Annfestes ist der alljährliche Besuch einer Gastkapelle über das Annafestes, welche sich mit musikalischen Auftritten am Fest beteiligt. Bereits seit 1968 wurden so musikalische Kontakte zu Musikkapellen aus Österreich, der Schweiz, aus Südtirol, Tschechien, Polen und Deutschland geknüpft. Daraus sind Freundschaften entstanden, die heute noch bestehen und damit auch die Verbundenheit des Musikvereins Unlingen mit seinen Gastkapellen widerspiegeln.

Den Termin für das Fest setzt selbstverständlich der kirchliche Gedenktag der Heiligen Anna und Joachim (26. Juli). So feiern am Wochenende nach dem Anna-(Namens)-Tag die Unlinger Bürgerinnen und Bürger ihr Annafest, dessen Ausrichtung dem Musikverein von alters her zugewachsen ist. Obwohl das Unlinger Annafest heute eine weltliche Veranstaltung ist, gehört ein Festgottesdienst am Sonntagmorgen zum wesentlichen Bestand des Festes, das mit seiner langen Tradition in der Bussengegend und darüber hinaus wohl bekannt ist.

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